Von den Legenden lernen

Bei dieser Buchvorstellung möchte ich mit dem Fazit beginnen - Mihail Marins Buch "Von den Legenden lernen" hat das Zeug zum Klassiker!

Die Einordnung des Buches fällt mir nicht leicht. Am ehesten handelt es sich hierbei um eine Mischung aus Schachlehrbuch und einem Schachgeschichtsbuch mit biographischen Elementen.

Mihail Marin stellt uns acht Legenden der Schachgeschichte vor und erörtert in jedem dieser acht Kapitel einen typischen Aspekt des Schachs und dieser großartigen Schachspieler.

Den Anfang bildet Akiba Rubinstein. Seine Partien und einige von Marin, die er immer wieder an geeigneter Stelle einfließen lässt, bilden den Rahmen für ca. 60 Seiten praxisorientierter Analysen zum Thema Turmendspiele.

Es folgt ein Kapitel zu Alexander Aljechin. Seine Partien dienen der Veranschaulichung der "vierten Phase der Partie" - gemeint ist das Endspiel Dame+Turm gegen Dame+Turm, welches noch viele Elemente des Mittelspiels beinhaltet.

Wofür das Kapitel über Michael Botwinnik steht, hat sich mir nicht völlig erschlossen. Wahrscheinlich wird hier am ehesten die Notwendigkeit betont, sich dem Endspielstudium zu widmen, um im geeigneten Moment das Mittelspiel verlassen und in ein vorteilhaftes Endspiel übergehen zu können.

Anhand Michael Tals Partien wird das Endspiel Turm gegen zwei Leichtfiguren besprochen. Ein sehr kompliziertes Endspiel bei welchem die Turmseite bei Existenz eines entfernten Freibauern häufig auf Sieg spielen kann.

Petrosjans Qualitätsopfer bilden den Rahmen für Kapitel fünf. Nach Marin erreichte Ptrosjan auf diesem Gebiet eine Art Künstlertum, welches Marin auf der Suche nach Möglichkeiten zur Klassifizierung analysiert.

Fischers überragende Technik und sein schier unendlicher Siegeswille erlaubten es ihm, minimale Vorteile in Siege umzuwandeln. Dazu gehört zum Beispiel das Endspiel Läufer gegen Springer. Dieses Endspiel macht Marin zum Thema seines sechsten Kapitels.

Was ist eine der bekanntesten Optionen, wie man ein schlechteres Mittelspiel halten kann? In ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern abwickeln! Aber auch hier gibt es Möglichkeiten und Notwendigkeiten, dieses präzise zu spielen, den Gegner unter Druck zu setzen - so wie es Anatoli Karpow tat.

Den schachlichen Abschluss bilden die Partien von Viktor Kortschnoi. Das Kapitel ist mit "der existenzlose Held" betitelt. Mit Sicherheit beinhalten Kortschnois Partie genügend Material, um etliche Bücher zu füllen, aber meiner Meinung nach ist es Marin hier nicht gelungen, die thematische Stringenz der vorherigen Kapitel durchzuhalten. Es wird über Kortschnois Hang zum Materialismus, seine Fähigkeiten im Turmendspiel ... berichtet.

Das Buch endet mit Kurzbiographien der Protagonisten. Für mich ist es eine absolute Kaufempfehlung! Das ausgewählte schachliche Material ist überaus lehrreich und interessant. Die Themen wurden sorgfältig ausgewählt. Und das Buch wurde in ordentlicher Qualität zu einem guten Preis verlegt. Der schachliche Teil wird in einem übersichtlichen Zweispaltendruck präsentiert.

Wo viel Licht ist, ist natürlich auch Schatten. Der Wechsel von den Einleitungen einzelner Kapitel, die im allgemeinen einspaltig sind zum zweispaltigen schachlichen Teil, ist für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Bei der gewählten Schriftgröße ist das Lesen dieser Passagen etwas anstrengend - jedenfalls anstrengender als der zweispaltige Druck. Noch gewöhnungsbedürftiger waren für mich aber die Vielzahl von "Entschuldigungen", die Marin - aus meiner Sicht unnötiger Weise - bemüht. Ein Beispiel: "Doch nur einige Monate nach diesem Vorfall gelang mir eine hübsche Partie, die, wie ich fand, sehr wohl Tals Stil entsprochen hätte. Ermenkow - Marin, Kavala 1990; ... ; 0-1 Alles in allem trotz der Fehler keine schlechte Partie. Dass ich im Stile Tals agiert hatte, war freilich etwas übertrieben, wenn auch zu entschuldigen angesichts meines jungen Alters."

Aktivste Mitglieder

  • ChessCoach
    93.33%
  • Karausche
    32.37%
  • SK
    15.66%
  • Schachklassiker
    10.33%
  • Klawe
    10.31%

Neue Mitglieder

  • Simserim
  • Adyapakesraa
  • till-beton
  • sincity
  • volkmay